Sollzins berechnet Zinsen, Effektivzins hilft beim Vergleich
Der Sollzins sagt dir, wie die Bank das geliehene Geld verzinst. Beispiel: Bei 10.000 € unveränderter Kreditschuld und 4 % Sollzins fallen für ein volles Jahr 400 € Zinsen an. Zahlst du während des Jahres einen Teil des Kredits zurück, werden die weiteren Zinsen auf die entsprechend kleinere Restschuld berechnet. Die Tilgung kommt zu den Zinsen hinzu; sie ist die Rückzahlung des geliehenen Geldes.
Der effektive Jahreszins hilft dir, Kreditangebote zu vergleichen. Er berücksichtigt neben den Sollzinsen auch bestimmte weitere Kreditkosten sowie die Zeitpunkte von Auszahlung und Rückzahlungen. Dafür werden die Zahlungen in einen jährlichen Prozentsatz umgerechnet. Zwei Kredite mit gleichem Sollzins können deshalb unterschiedliche Effektivzinsen haben, etwa weil bei einem Kredit ein Teil der Auszahlung einbehalten wird.
Für die Zinsrechnung nutzt du den Sollzins. Für den Kostenvergleich vergleichbarer Angebote schaust du auf den effektiven Jahreszins. Er ist kein zusätzlicher Zins, den du noch auf den Sollzins aufschlagen musst.
Welche Kosten bei Verbraucherdarlehen einzubeziehen sind, regelt die Preisangabenverordnung. Nicht jede denkbare Ausgabe ist enthalten, zum Beispiel Kosten wegen einer Vertragsverletzung. Deshalb gehören auch die Vertragsunterlagen zum Vergleich. Ein beworbener Beispielzins ist noch kein persönliches Kreditangebot.
Warum Zahlungszeitpunkte eine Rolle spielen
Wer Geld später erhält, aber schon früher oder häufiger zurückzahlt, hat wirtschaftlich einen anderen Kredit als bei einer einzigen Zahlung am Jahresende. Auch eine verminderte Auszahlung durch Disagio verändert das Verhältnis von erhaltenem Kapital und Rückzahlung.
Bei einem rein rechnerischen Monatszins von 0,5 % beträgt der äquivalente Jahreszins bei monatlicher Aufzinsung (1 + 0,005)¹² − 1 = rund 6,17 %. Der zugehörige nominale Jahreswert wäre 6 %. Dieses Beispiel erklärt die Periodenwirkung; es ersetzt keine vollständige Effektivzinsberechnung nach der Preisangabenverordnung.
Beispiel mit einmaliger Rückzahlung
Du erhältst heute 10.000 € und zahlst nach genau einem Jahr 10.600 € zurück. Ohne weitere Zahlungen beträgt die Jahresbelastung 6 %. Werden bei gleichem Rückzahlungsbetrag nur 9.800 € ausgezahlt, beträgt sie 10.600 / 9.800 − 1 = rund 8,16 %.
Der Unterschied entsteht durch den geringeren tatsächlich verfügbaren Betrag. Bei monatlichen Raten muss jeder einzelne Zahlungszeitpunkt berücksichtigt werden; bloß „Gebühren durch Kreditsumme“ zu rechnen reicht dafür nicht.
Angebote sinnvoll vergleichen
Vergleiche gleiche Auszahlungssummen, Laufzeiten und Rückzahlungsformen. Eine niedrige Monatsrate kann aus einer langen Laufzeit oder einer hohen Schlussrate entstehen. Notiere zusätzlich Gesamtbetrag, Restschuld, Sondertilgungsrechte und erforderliche Zusatzprodukte. Bei variablen Zinsen kann der angegebene Effektivzins zukünftige Marktentwicklungen nicht vorwegnehmen.
Häufige Frage: Welchen Zins trage ich im Rechner ein?
Wenn das Feld „Sollzins“ heißt, verwende den Sollzins. Den Effektivzins dort einzusetzen und zusätzlich dieselben Gebühren zu berücksichtigen kann Kosten doppelt zählen. Unsere Modellrechnungen sind keine rechtsverbindliche Preisangabe eines Kreditgebers.
Vom Begriff zur Rechnung
Mit eigenen Zahlen weiterrechnen
Wähle den passenden Rechner. Die dort genannten Annahmen und Grenzen gelten für die Modellrechnung.
Quellen und Einordnung
Die Zahlenbeispiele sind eigene Modellrechnungen mit den jeweils genannten Annahmen. Allgemeine Information, keine individuelle Beratung. Hinweise zum Erstellungsprozess stehen unter Methodik des Lexikons.
Fehler oder veraltete Angaben melden →