Mehr Positionen sind nicht automatisch mehr Streuung
Zehn Aktien aus derselben Branche können stark auf dieselben Nachrichten reagieren. Mehrere Fonds können dieselben Unternehmen enthalten. Entscheidend sind die wirtschaftlichen Risiken hinter den Namen und deren Gewichte im gesamten Vermögen.
Streuung kann über Unternehmen, Branchen, Länder, Währungen und Anlageklassen erfolgen. Dabei muss jede zusätzliche Position zum Anlageziel passen. Ein unbekanntes oder kompliziertes Produkt ist nicht allein deshalb sinnvoll, weil es anders aussieht als die bisherigen Anlagen.
Beispiel: Ausfall einer einzelnen Position
Ein Depot von 10.000 € liegt vollständig in einer Aktie. Verliert diese 50 %, sinkt das Depot auf 5.000 €. Besteht das Depot dagegen aus zehn gleich großen Positionen und nur eine verliert 50 %, während alle anderen unverändert bleiben, sinkt der Gesamtwert auf 9.500 €.
Das Beispiel isoliert ein einzelnes Unternehmensrisiko. Fallen alle zehn Positionen gleichzeitig um 20 %, verliert auch das gestreute Depot 20 %. Streuung reduziert somit bestimmte Konzentrationsrisiken, ist aber keine allgemeine Absicherung gegen Börsenrückgänge.
Gewichtung und Zusammenhang
Eine Position mit 40 % Depotanteil hat einen deutlich größeren Einfluss als eine mit 2 %. Die bloße Anzahl der Werte verschleiert solche Schwerpunkte. Außerdem zählt, wie ähnlich sich Anlagen entwickeln. Dieser Zusammenhang wird oft als Korrelation beschrieben und kann sich im Zeitablauf verändern.
Eine Mischung verschiedener Anlagen kann Schwankungen beeinflussen, kostet aber möglicherweise Renditechancen oder verursacht zusätzliche Kosten. Es gibt keine für alle Menschen optimale Aufteilung unabhängig von Laufzeit, Zahlungsbedarf und Verlusttragfähigkeit.
Risiko konkret planen
Statt nur „chancenorientiert“ oder „konservativ“ zu lesen, rechne mögliche Verluste in Euro aus. Ein Rückgang von 30 % bedeutet bei 20.000 € einen vorübergehenden oder dauerhaften Wertverlust von 6.000 €. Prüfe, ob du das Geld in dieser Situation trotzdem für einen festen Termin benötigen würdest.
Im Wertentwicklungsvergleich lassen sich unterschiedliche Annahmen gegenüberstellen. Eine gleichmäßige negative Jahresrendite bildet jedoch keinen tatsächlichen Krisenverlauf ab. Sprunghafte Kurseinbrüche und die Reihenfolge von Verlusten können bei Entnahmen besonders wichtig sein.
Häufige Frage: Ist ein weltweiter ETF vollständig risikofrei gestreut?
Nein. Er kann viele Einzelunternehmen enthalten und dennoch erhebliche Aktienmarkt-, Währungs- oder Konzentrationsrisiken haben. „Weltweit“ beschreibt außerdem nicht automatisch sämtliche Länder oder Anlageklassen. Die Indexzusammensetzung bleibt entscheidend.
Vom Begriff zur Rechnung
Mit eigenen Zahlen weiterrechnen
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Quellen und Einordnung
Die Zahlenbeispiele sind eigene Modellrechnungen mit den jeweils genannten Annahmen. Allgemeine Information, keine individuelle Beratung. Hinweise zum Erstellungsprozess stehen unter Methodik des Lexikons.
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